15.11.2017

Er ist unverkennbar, der EU-Blues

Er ist unverkennbar, der EU-Blues

2012 war sicherlich die Sternstunde in der jüngsten Geschichte der Europäischen Union (EU). Das norwegische Nobelkomitee verlieh der EU den Friedensnobelpreis mit der Begründung, dass sich die EU und ihre Vorläufer seit mehr als einem halben Jahrhundert für Versöhnung, Frieden, Demokratie und Menschenrechte eingesetzt, und den Friedenspreis-Kriterien Alfred Nobels aus dem Jahr 1895 somit voll und ganz entsprochen haben. -

Fünf Jahre sind es genau her, in denen die Warnungen weiser und vorausschauender Menschen, die EU könne trotz Friedensnobelpreis an ihren immer größer werdenden Problemen auch scheitern, fühlbare Realität wird. -

An allen Ecken des Kontinents häufen sich gleichzeitig gravierende Probleme zu einem schier unüberwindbaren Berg auf. Die Union ist gefordert, wie selten zuvor. Die Herausforderungen sind immens.

Unter anderem gilt es die immer heftiger aufkommenden Nationalstaatengedanken mit guten Gegenargumenten zukunftsweisend entgegenzutreten. Den Reformprozess für den Kampf gegen die Schuldenkrise fortzusetzen, und dazu noch die Jahrhunderaufgabe des Austritts Großbritanniens aus der EU, den sogenannten „Brexit“, finanziell wie wirtschaftlich für alle Beteiligten zufriedenstellend einer Lösung zuzuführen. 

Die Fülle der Probleme macht es den Akteuren aber immer schwerer, den berühmten gemeinsamen Nenner für eine gemeinsame, und vor allem friedliche Zukunft zu finden. Es ist nicht nur so aus einer Laune heraus dahergesagt, aber der Verbund von (noch) 28 Mitgliedstaaten steht, Stand Jetzt, auf dem Spiel. Das spiegelt sich nicht nur im Zusammenwirken der Staaten untereinander wider. Es rumort auch im Innern bei einigen EU-Ländern. So zum Beispiel in Spanien,  Großbritannien, Ungarn, Polen und Italien.

Die finanziell bessergestellte Region Katalonien will die Unabhängigkeit und das schon seit mehr als 300 Jahren. Es geht um Geld aber auch um eine alte Rivalität zwischen Madrid und Barcelona. Letzter negativer Höhepunkt war die von Madrid eingesetzte Polizeigewalt zum Katalanischen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017, welches die Befürworter für sich entschieden. So wie die britische Regierung primär mit ihrem Krisenmanagement zum Brexit beschäftigt ist, und Italien wieder einmal mit einer Bankenpleite beschäftigt ist, so fällt auch Spanien durch die Katalonienkrise als europäischer Spieler faktisch aus.

Ein weiteres Problem stellen die nationalistischen Osteuropäer dar. An vorderster Front die Ungarn und die Polen. Es geht längst nicht mehr nur um Flüchtlinge, sondern auch um Pressefreiheit und Minderheitsrechte, die von den neuen konservativen Regierungen Europa fern ausgehöhlt werden. Und das hilflose Brüssel verschickt Mahnungen, die ungeöffnet im Papierkorb landen. Wie lange noch soll es so rapide abwärts gehen mit Europa?  -

Vielleicht sollten sich alle Beteiligten mal die Verlässlichkeit und Konstanz des Goldpreises zum Vorbild nehmen. Auch leichte Schwankungen müssen nicht immer gleich die Krise des Ganzen zur Folge haben. Thomas Straub / valvero Sachwerte GmbH, Berlin



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