16.12.2019

Wäre der digitale Euro eine passende Antwort auf unregulierte Kryptowährungen?

Geld ist Privatsache. Dass man über Geld nicht spricht, ist eine alte Volksweisheit, die zwar immer noch in der Persönlichkeit eines jeden Menschen irgendwie verwurzelt ist, in der Politik, im Finanz- und Bankwesen aber keine Bedeutung hat. Dort gilt der offene und manchmal auch knallharte Umgang mit dem gedruckten und geprägten Zahlungsmittel. Aber genau diese Form von Geld wird in unserem digitalen Zeitalter immer lauter infrage gestellt. Stichwort: Digitale Zahlungsmittel (auch „Kryptogeld“ oder „Kryptowährung“ genannt). 


Was geschah bisher?

Was in den 1990er-Jahren noch nicht möglich war, gelang dem Japaner Satoshi Nakamoto Ende 2008. Nämlich digitales Bargeld zu etablieren, das ohne Bank und ohne zentrales Clearing auskommt und in der eigenen persönlichen Brieftasche gespeichert ist. Nakamoto nannte seine Kryptowährung „Bitcoin“. 
Bereits acht Jahre später knackte die Kryptowährung Bitcoin die 20.000 USD-Marke. Es war der Startschuss eines regelrechten Krypto-Hypes auf einer nach oben offenen Wahnsinnsskala. Nachahmer wie Litecoin, Ethereum, Ripple (mittlerweile über 1.000 an der Zahl) sprangen auf den Erfolgszug Digitalwährung auf. Zunächst noch von Aufseher und Notenbanker belächelt und als Modererscheinung abgetan. 
 

Ein Digitalgigant drängt mit eigener Währung auf den Markt

Das Arroganz ähnliche Verhalten änderte sich schlagartig, als „facebook“ mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern bekanntgab, mit „Libra“ ein eigenes digitales Geld zu schaffen. Das Wettrüsten im Segment Kryptowährung bekam mit facebook eine andere, ungeahnte Dimension.
Plötzlich schrillen die Alarmglocken und die Statements namhafter Bankenvertreter, wie der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Walter Peters, oder die neue Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde, die unisono das Thema „angemessene Regulierung“ in Bezug auf Digitalwährungen für unabdingbar halten, ziehen immer größere Kreise. Ihre Gedankenspiele: Eine Regulierung, die EU einheitlich gelten müsse, um Anleger in Kryptowährungen besser zu schützen. Zudem sollten Kryptowährungen höchsten Aufsichtsratsstandards entsprechen, wie sie herkömmliche Währungen auch garantieren. 
 

Der erste Schritt zum E-Euro?

Was noch vor gar nicht langer Zeit nicht einmal angedacht wurde, versuchen heute führende Währungshüter nach und nach vom Ende her zu denken. Nämlich die Frage zu stellen, ob im Zeitalter, in dem digitale Währungen auf dem Vormarsch sind, nicht auch ein digitaler Euro Sinn machen würde. Von Staaten wie Schweden und China könne man vielleicht lernen, die Vor- und Nachteile besser einzuschätzen. Stehen beide Länder doch sehr weltoffen einer eigenen staatlich organisierten Kryptowährung gegenüber und bereit, die digitale Währung zeitnah einzuführen. 
Selbst der Bundesverband deutscher Banken (BdB) spricht sich für eine schnelle Entwicklung des digitalen Euro aus, wenn auch zunächst einmal einschränkend nur im Bereich der Industrie. Dass sich das Bankensystem im digitalen Zeitalter grundlegend verändern muss, darüber darf es laut BdB-Chef Andreas Krautscheid keine zwei Meinungen geben. Er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass Deutschland noch nicht so weit ist, seine Bürger mit digitalem Geld auszustatten. Schwören die meisten Deutschen - aber auch die meisten Europäer - immer noch auf hautnah empfundenes Bargeld.

Aktuelle Studien, explizit die des Schweizer Börsenbetreibers SIX, beurteilen den Erfolg dezentraler und unregulierter Kryptowährungen eher skeptisch. Auch stellt die Studie hinter der Frage, ob eine staatlich ausgegebene Kryptowährung etablierte Geldformen ersetzen kann, ein dickes Fragezeichen. 



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