20.12.2019

In den Chefetagen sind Frauen auf dem Vormarsch

… oder scheint das nur auf den ersten Blick so?

Geschichte „vom Ende her zu denken“, „geistig voraus zu sein, Ausmaße eines Ereignisses zu begreifen“ 

Diese Kunst scheint das EU-Mitgliedsland Finnland derzeit am besten von allen 28 EU-Ländern zu beherrschen. Finnland hat nicht nur die jüngste Frau mit Sanna Marin als Regierungschefin der Erde. Das nördlichste EU-Land sorgt auch einige Entscheidungsebenen tiefer dafür, dass Frauen an der Macht im Jahr 2019 keine Verwunderung mehr auslösen. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit von Frauen, wie die, der neuen Politiker-Generation Finnlands.
Neben dem Regierungsresort ist das Bildungs-, Innen- und Finanzministerium in den Händen junger, qualifizierter Frauen. Das Kabinett der 32 Jahre alten Parteichefin besteht künftig aus elf Frauen und sieben Männern. Ein Novum!
 

Ein altes Denkmuster ist endlich zu Ende gedacht

Diese doch eher mutige Meinung - wohl verbunden mit einer Riesen Portion Hoffnung - vertraten viele Frauen, als sich ihre Jahrhunderte andauernden Bemühungen für Frauenrechte mit der Einführung des Frauenwahlrechts am 19. Januar 1919 in die richtige Richtung zu entwickeln schien.
Aber wie so oft im Leben hat sie die Realität dann doch ganz schnell wieder eingeholt. Es sollte noch viele Jahrzehnte ein sehr zähes Ringen werden, das Jobmonopol der Männer auf Spitzenjobs in Politik und Wirtschaft ins Wanken zu bringen. 
 

Eine Frauenquote soll es richten

Jetzt, hundert Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts, scheint die Geschlechtergleichstellung wieder Fahrt aufzunehmen. Auch der Gesetzgeber hat sich das Thema „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ auf seine Agenda geschrieben. Das vor fünf Jahren beschlossene Gesetz für eine Frauenquote (30 Prozent) eröffnet Frauen die Möglichkeit, in börsennotierten Unternehmen, so wie in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, in Vorständen und Chefetagen Führung zu übernehmen.
Frauen befinden sich - vorsichtig ausgedrückt auf dem Vormarsch. In Gremien, Parteien, ja, selbst in den höher dotierten Jobs. Wenn auch nur auf leisen Sohlen, ganz gemächlich und Step by Step. 
 

Dennoch:

Immer öfter heißt es „Chefin“

Das bestätigt jedenfalls eine schwedische Studie, die auf einen Wechsel der Denkmuster hinweist, was das Geschlecht von Vorgesetzten angeht. Aber weniger die Quotenregelung lässt Frauen peu á peu in Chefetagen Einzug halten, sondern Eigenschaften, die neben einer fundiert fachlichen Qualifikation, anscheinend nur Frauen mitbringen. Die Rede ist von kompetent, ergebnisorientiert, umsichtig, flexibel, mutig und in höchstem Maße teamfähig. Wo Männer kämpferisch, selbstsicher und autoritär ihren Job ausüben, sind Frauen ungleich kooperationsbereiter und einfühlsamer. 
Diese - man möchte fast mutmaßen, für viele Männer „unlernbare“ Wesenszüge -, machen Frauen den Weg an die Spitze dennoch nicht einfacher. Selbst wenn sie es auf die erste Führungsebene geschafft haben, spüren sie auch weiterhin den scharfen Gegenwind ihrer männlichen Konkurrenten und Kollegen. Chefinnen haben auch weiterhin das schwere Los, ihr Können immer und immer wieder aufs Neue zu beweisen. Männer scheinen das Monopol zu haben: „einmal gut, immer gut“. 
 

Ein ewiger Nachholbedarf

„Es gilt das Umdenken zu beschleunigen, was schleppend, aber auch verheißungsvoll begonnen hat“, so Joakim Peterson, Betreuer der schwedischen Studie „Ledarna“. Seine Studie habe einzig und allein den Sinn gehabt, Führungskräfte nach Eignung, Können und Kompetenz einzustellen, nicht nach Geschlecht. Und er macht keinen Hehl daraus, dass seine männlichen Landsleute in dem Bereich noch nicht am Ende der Toleranzskala angelangt sind. Ein „Nachholbedarf“, der wohl ewig und in diesem vereinten Europa grenzüberschreitend Realität ist. Dabei dürfte es den renditegesteuerten Herren der Schöpfung doch nur Recht sein, wenn qualifizierte Frauen das Ruder übernehmen. Denn laut ILO-Studie „Women in Business and Management“ über Führungskräfte, bei der mehr als 12.000 Firmen in 70 Ländern befragt wurden, stehen weibliche Führungskräfte für steigende Unternehmensgewinne. Wenn das kein zusätzliches Argument für Frauen in Führungspositionen ist.  



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