15.07.2020

Die Ruhe nach dem Sturm bei Gold

Als das SARS-CoV-2-Virus im Frühjahr 2020 die Welt in Atem hielt und einen nie dagewesenen Sturm auf das wohl begehrteste Edelmetall losbrach, machte der Begriff „Goldrausch 2020“ die Runde. Der Goldpreis kannte nur eine Richtung, und zwar die nach oben. Ein sattes Plus von rund 13 % seit Jahresbeginn (Schlusskurs 2019: 1.515,23 USD) ließ die Nachfrage nach Gold in neue, ungeahnte Sphären aufsteigen. Gold wurde wieder einmal seinem Namen gerecht. Der Volksmund sagt: „Gold ist alles!“ Gemeint sind Krisenmetall, Vermögenssicherung, aber auch eine nicht beliebig vermehrbare Reservewährung.

Leidenschaft brennt nun einmal vornehmlich für das Hier und Jetzt. Aber was kommt nach einem Goldpreis-Jahreshoch, das die letzten siebeneinhalb Jahre übertrifft, von weit über 1.760 USD mit einer nie enden wollenden historischen Goldpreisentwicklung, die in Zeiten von Corona nur den Weg nach oben kennt?
 

Es gibt ein Leben nach der Leidenschaft – Die Ruhe nach dem Sturm

Corona brachte den Menschen dieser Erde eine Ausnahmesituation: Gesundheitlich, wirtschaftlich und sozial; ein Sturm der Verzweiflung, der Angst, der Hysterie, in vielen Fällen auch die schmerzliche Erkenntnis des Scheiterns und des zwangsläufigen Neuanfangs.

Eine typische Gemengelage für einen explodierenden Goldpreis; für Experten rund um das gelblich strahlende Edelmetall haben diese Preisausschläge von Gold in Krisenzeiten nichts Besonderes an sich. Gold ist Krisenmetall und durch keinen anderen Rohstoff oder auch durch keine andere Währung dieser Welt zu ersetzen. Aber die Beruhigung nach dem Goldsturm hat die charttechnischen Ausblicke für den Goldkurs ein wenig aus dem gleißenden Scheinwerferlicht ins rechte Licht gerückt. Seitdem kennt Gold nicht nur die „gewohnte“ Richtung nach vorn, sondern auch kleinere temporäre Dellen, allerdings auch beruhigende Seitwärtsbewegungen mit Zwischentiefausläufern.
 

Rückblick

Der weltweite Lockdown (Massenquarantäne, Kontakt- bzw. Ausgangssperren) im März 2020 bringt weite Teile der Weltwirtschaft zum Erliegen. Minen- und Grenzschließungen führen zu Hamsterkäufen, sie treiben den Goldpreis in der ersten Märzwoche auf 1.690 USD je Feinunze (31,103 Gramm). Der Run auf Gold wird zum Goldrausch, das Gold wird knapp, Edelmetallshops müssen gar schließen.

Zwei Monate nach dem angeordneten Lockdown fällt der Goldpreis nach einem gescheiterten Ausbruchversuch ab Mitte Mai von 1.760 USD auf 1.670 USD je Feinunze (31,103 Gramm) zurück.
 

Keine explodierenden Ausbrüche nach oben, aber Stabilisierungstendenzen

Obwohl in der Nachrichtenlage in den letzten Wochen eine Hiobsbotschaft die andere jagte (erschreckende Konjunkturprognosen, Diskussionen um negative US-Leitzinsen, niedrige Inflationsdaten in China, 33 Millionen Arbeitslose in den USA und schwankende Aktienkurse), tut sich beim Goldpreis zurzeit gar nicht so viel. Er zieht nicht mit. Einige Investoren, die in der Hochzeit der Corona-Pandemie in den Goldmarkt gegangen sind, um sich im schwächelnden Aktienmarkt abzusichern, ziehen sich in den Lockerungszeiten wieder zurück. Sie trauen aber dem „Braten“ nicht so recht (Stichwort 2. Infektionswelle) und halten darum auch noch einige Positionen.

Auf mittlere Sicht wird Gold dennoch weiterhin gefragt sein. Die Gründe liegen in den niedrigen Realzinsen und der theoretischen Aussicht, dass die Inflationsraten irgendwann anziehen könnten, weil an den Märkten immens viel Geld unterwegs ist. Hinzu kommt das schwindende Interesse der Noten- und Zentralbanken gegenzusteuern. Es scheint so, als ob in dieser vordergründigen Ruhe zukunftsbetrachtet sehr viel Kraft liegt.



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