01.03.2021

Die Deutschen und das Gold

Eine ganz besondere Beziehung

 

Ja, sie sind goldverliebt, die Deutschen! Und das nicht erst, seit die Pandemie unser aller Leben auf den Kopf gestellt hat. Die Liebe der Deutschen zu dem mystisch gelben Edelmetall hat eine lange Tradition. Kein Land auf der Welt kann sich damit rühmen, dass seine Bevölkerung pro Einwohner mehr Gold besitzt als Deutschland. Deutsche Privatanleger besitzen mehr Gold als die amerikanische Notenbank. Und das, obwohl Gold weder eine Gewinnbeteiligung in Form einer Dividende verspricht, noch Zinsen einbringt.

Was ist es dann, was die Deutschen am physischen Gold mehr reizt als an Wertpapieren, Optionsscheinen, Fonds, Zertifikaten und anderen Spekulationsobjekten?

 

Nichts spiegelt die deutschen Tugenden Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit so treffend wider, wie das weltbekannte Gütesiegel „Made in Germany“. Es scheint sinnbildlich auch auf den Goldkauf zuzutreffen. Wenn in anderen, meist südländischen und asiatischen Kulturen der Goldkauf eher sinnlichen Charakter hat - wie etwa in Form von Schmuck zur Aussteuer von Bräuten - steht der Goldkauf in Deutschland eher für eine abstrakte, nüchterne, aber gleichzeitig auch sichere Geldanlage. Zur Absicherung der Zukunft fehlt dem Deutschen jeglicher Sinn nach Schnick Schnack. Eine gewisse Grundangst, Vorsicht und Sorge sind in seinem „Nationalcharakter“ tief verwurzelt. Und gerade in Zeiten großer Unsicherheit, wie in einer Pandemie, ist teures Geschmeide für den sicherheitsliebenden Deutschen so gut wie keine Option. Das Gegenteil ist der Fall. Gegen wirtschaftliche und fiskalische Risiken setzt er lieber auf den so genannten „sicheren Hafen“ Gold in Form von Barren oder Münzen. Auch wenn der „sichere Hafen“ Gold immer teurer wird. Anleger, die ihr Geld in Gold tauschen, wissen ganz genau, was sie tun. Und die Zahlen belegen es auch.

 

So haben Investoren in Deutschland im Gesamtjahr 2020 beachtliche 163,4 t Gold in Form von Goldmünzen und Goldbarren nachgefragt. Laut der globalen Lobby-Organisation der Goldbergbauindustrie (World Gold Council; WGC) ist das ein neuer Rekordwert von 8,1 Milliarden Euro. Ein Top-Ergebnis, welches den Rekordwert von 5,2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2011 in den Schatten stellt. Deutschlands internationale Bedeutung im Goldhandel ist beachtlich. Im Segment der gesamteuropäischen Nachfrage nach Anlagegold hat Deutschland einen Anteil von 64 Prozent. Bei einem Weltmarktanteil von immerhin 18 Prozent, von ca. 900 t. Damit rangiert Deutschland hinter China (199,1 t) auf Platz 2 vor Indien mit 130,4 t.

 

Alle Anleger und institutionelle Investoren haben noch das beeindruckende Gold-Jahr 2020 im Kopf, das auf US-Dollar-Basis mit einem satten Plus von 25 Prozent abgeschlossen hat. Auch wenn die Prognosen für das begonnene Jahr 2021 wieder „goldig“ ausfallen, wird sich eine derart beachtliche Performance wohl nicht wiederholen. Dennoch, der Optimismus für ein weiteres gutes Gold-Jahr hat Gründe. Dazu zählt ein sich weiter abschwächender US-Dollar ebenso, wie die Sorge über einen Inflationsanstieg und die Corona-bedingten geld- und fiskalpolitischen Lockerungen. Alles zusammen verhilft Gold zu einer guten Wertentwicklung in US-Dollar.

 

 



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