10.08.2022

Der Goldpreis und seine Einflussfaktoren

Die Kursentwicklung von Gold basiert auf deutlich mehr Faktoren als der Kursverlauf beispielsweise einer Aktie. Dieser Fakt allein erklärt schon die größere Volatilität des gelben Edelmetalls.

 

Die Kurseinflüsse auf den Gold-Spotpreis - der am London Bullion Market Association zweimal täglich von Vertretern der 5 LBMA Bullion-Banken für 1 Unze Gold (31,103 Gramm) festgelegt wird -, lassen sich in zwei wesentlichen Kategorien “langfristig und kurz- bis mittelfristig“ gliedern.

 

Die Erfahrung zeigt, dass eine langfristige Beeinflussung des Goldpreises auf das nationale, aber auch globale Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist. In einer kritischen Weltwirtschaftskrise mit Eintrübung am Aktienmarkt zeigt der Goldpreis im Normalfall nach oben. Dabei stehen Barren und Münzen

gleichermaßen im Fokus der Anleger, wie die mit physischem Gold abgesichert und börsengehandelten Wertpapiere, sogenannte ETFs (engl. „Exchange Traded Fund“). Auch die Nachfrage nach wertvollem Goldschmuck ist in schlechten Zeiten mit einem Pfeil nach oben versehen. Ein Paradebeispiel für eine explosionsartig gewachsene private Goldnachfrage ist China.

 

Eine weitere langfristige Stütze des Goldpreises verfolgen die Zentralbanken. Sie setzen auf Gold als Währungsreserve. Sollte sich diese Strategie einmal verändern, wird der Markt mit Goldverkäufen überhäuft. Der Preis des Edelmetalls würde sichtbar nach unten zeigen.

 

Eine eher kurzfristig bis mittelfristige Beeinflussung der Goldpreisentwicklung basiert auf strategische Spekulationen von Großanlegern, beispielsweise bei An- und Verkäufen, so wie bei geopolitischen Auseinandersetzungen. Stellvertretend für viele kriegerische Auseinandersetzungen sei der Ukraine- Krieg genannt oder auch der sich anbahnende Konflikt zwischen China und Taiwan. Beide geopolitischen Krisen befeuern den Goldpreis nachhaltig.

Der Anleger sucht vermehrt den „sicheren Hafen“ Gold auf als Schutz vor systemischen Finanzkrisen. Stichwort Inflation.

Hohe Teuerungsraten - siehe USA in den 1970er Jahren und weltweit im Frühjahr 2022 - zeigen die unterschiedlichen Reaktionen des Goldpreises.

Im Jahr 1970 notierte der Goldpreis je Feinunze bei

37,60 US-Dollar. Bei stetigem Preisanstieg des Edelmetalls in den folgenden Jahren, und gleichzeitig immer schwächer werdenden US-Dollar, notierte der Goldpreis 1980 bei stolzen 850,00 USD. Zum Jahresende lag der Goldpreis immerhin noch bei 589,75 USD.

 

Blicken wir sozusagen als Kontrast ins Hier und Jetzt. Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine belasten Lieferengpässe und Inflation die deutsche Wirtschaft. Man möchte meinen, dass der Goldpreis reagiert wie in den USA in den 1970er Jahren. Das Gegenteil ist der Fall. Es berührt den Goldpreis nicht sonderlich, dass die Inflationsrate mit ca. 7,5 Prozent durch die Decke geht. Zeitweilig fiel der Goldspotpreis sogar unter die 1.700 USD-Marke. Anleger und Investoren haben nicht - wie angenommen - vogelwild in Gold investiert. Erst als die Fed und die EZB sich an die Erhöhung des Leitzins gewagt haben, kam Gold aus der Talsohle 1.680 USD wieder in ruhigere Bahnen und notiert aktuell bei 1.793,04 USD (1.753,89 EUR). Der Wechselkurs EUR / USD: 1,0228. Stand 1.08.2022. 11:18 Uhr.

 

Wenn Einflussfaktoren beim Goldpreis hochvolatil sind und plötzlich ganz anders wirken, sehen sich sogar fundamentale Goldpreis-Entwicklungsaspekte wie Angebot und Nachfrage plötzlich in eine Nebenrolle gedrängt. Gold ist eben Gold und nicht irgendein Rohstoff.

 

 



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