18.10.2017

Europa - Noch nicht richtig vereint und schon in gefährlicher Schieflage

Europa - Noch nicht richtig vereint und schon in gefährlicher Schieflage 

Es scheint sich etwas zu tun, im politischen Europa. -

Wenn noch vor gar nicht langer Zeit die deutsche Kanzlerin nur mit den Fingern schnipsen musste, um Hof zu halten, und alle EU-Verbündete dienend stramm standen, macht sich plötzlich ein Emporkömmling ganz still und heimlich auf den Weg, ihr diese Position der unangefochtenen NR.1 im Euroland abspenstig zu machen. Der frisch gewählte französische Staatspräsident Emmanuel Macron sticht mit seinem Themenkatalog „Vision für Europa“ mitten ins Herz liebgewonnener Führungsansprüche der deutschen Bundeskanzlerin.

Macron wird von vielen Seiten das Etikett “Hoffnungsträger“ angeheftet. Und dass, obwohl nur zwei Drittel (66,1%) seiner Landsleute bei den diesjährigen französischen Präsidentschaftswahlen für ihn votierten. Selbst unter den Zweidritteln vordergründiger Macron Befürworter haben viele in ihm das „kleinere Übel“ gesehen, weil sie die Rechtspopulistin Marine Le Pen verhindern wollten. Dennoch hält es den auf vielen Feldern hoch begabten Mann aus Amiens nicht davon ab, sein Land, wie er sagt, historisch umkrempeln zu wollen. Frankreich gehört auf die europäische Bühne zurück, so sein martialisches Credo.

Überraschend kommt sein geschäftiges Tun nicht. Gab es doch immer wieder innenpolitische Bremser, und gerade seit Ausbruch der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 auch mehr und mehr innereuropäische Störfeuer aus der Visegrád-Gruppe mit den Staaten Ungarn, Tschechien, Polen und Slowakei. Und weil Frankreich seit Jahren wirtschaftlich und politisch eher im Schatten seines östlichen Nachbarn Deutschland steht und die europäische Vorzeigefrau, die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist, und eben nicht die drittklassigen „Vortänzer“ Chirac, Sarkozy oder gar Hollande der Grand Nation, hat sich Le président der Vision verschrieben, den Ausverkauf Frankreichs auf allen Ebenen zu stoppen. Es ist kein Trumpsches „America first“ oder ein auf Frankreich bezogenes „France d’abord“, es ist vielmehr ein von ihm perfekt inszeniertes Zurechtrücken europäischer Lichtkegel auf Paris. Hauptstadt des flächenmäßig größten Landes Westeuropas. Und genau in dieser Riege „besser, größer weiter“ möchte Macron sein Land wieder an die Spitze des europäischen Geschehens führen.

Die Präsentation seiner Vision in der traditionsreichen Sorbonne-Universität hatte schon etwas von einer Urkraft eines pompösen Herrschers. Seine Themen für ein „souveränes Europa“ sind nicht neu, aber seiner Meinung nach mit den Eckfeilern „Euro-Finanzminister“ und „europäische Verteidigung“ noch nicht zu Ende ausbuchstabiert. In Berlin und Brüssel hört man  genau hin, was der neue, starke Mann im Élysée-Palast einfordert. Gleichzeitig forcieren sie aber das ewige Berliner und Brüsseler Lamento.

Für Goldanleger braucht es keine Visionen. Sie haben Gewissheit, heute schon das richtige für morgen zu tun. Thomas Straub / valvero Sachwerte GmbH, Berlin



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